Im Keller eines Sortierzentrums gab es einen Raum, in den schwangere Frauen gebracht wurden. Es war weder eine Entbindungsstation noch ein Krankenhaus. Es war ein Ort, an dem das Wort „Eingriff“ etwas bedeutete, was keine Frau jemals erfahren sollte. Ich war dort. Ich habe überlebt. Jahrzehntelang. Ich trug dieses Schweigen wie eine schwere Last in meiner Brust.
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Heute, mit zwanzig Jahren, habe ich beschlossen, meine Stimme zu erheben. Denn was uns angetan wurde, einer Frau, die ein unschuldiges Leben in ihrem Leib trug, darf nicht mit mir sterben. Mein Name ist Alice Morau. Ich wurde 1918 in einem kleinen Dorf in Ostfrankreich geboren, umgeben von Weinbergen und Weizenfeldern. Unser Steinhaus duftete jeden Morgen nach dem Brot, das meine Mutter backte, während mein Vater in seiner Werkstatt neben der Küche Uhren reparierte.
1939 heiratete ich Henry, einen diskreten, fleißigen und gütigen Mann. Wir träumten einfach von einem größeren Haus, Kindern, einem normalen Leben. Dann kam der Krieg und zerstörte unsere Pläne. Als deutsche Soldaten im Mai ins Dorf einmarschierten, wurde Henry an einem nebligen Morgen abgeführt. Bevor er in den Lastwagen stieg, drehte er sich um und sah mich lange an.