Wer ist Mutter Lizzie, meine Liebste?
Er sah mich an, als hätte ich behauptet, unsere Adresse nicht zu kennen.
„Na ja, er ist doch immer bei uns. Du kennst ihn doch, Mama! Tu nicht so, als würdest du ihn nicht kennen.“
Tu nicht so, als ob. Ist doch klar.
Ich zwang mir ein Lächeln ab, das der Situation überhaupt nicht angemessen war.
„Hör mal, sollen wir zu Oma fahren und Kekse backen? Oder einen Kuchen, oder Brownies, oder was auch immer sie heute gebacken hat?“
‘Ja, danke!’ Ihre Augen leuchteten sofort auf.
Als wir bei meiner Mutter Evelyn ankamen, öffnete sie die Tür, noch bevor ich geklopft hatte. Ihr Gesicht war mit Mehl bedeckt, ein Geschirrtuch hing über ihren Schultern, und jede ihrer Bewegungen wirkte vertraut und beruhigend. Ein Blick auf mich genügte, um ihr zu zeigen, dass etwas nicht stimmte.
„Du scheinst in Gedanken versunken zu sein“, sagte sie und umarmte uns beide. Ihr Duft erinnerte mich gleichzeitig an Vanille und alte Bücher.
„Ich bin einfach nur müde“, sagte ich. „Kann ich mich kurz hinlegen?“
Mutter sah mir in die Augen und erkannte den Schatten hinter dem Lächeln.
„Natürlich“, antwortete er. „Komm schon, Schatz, die Couch wartet auf dich. Wenn du aufwachst, sind die frisch gebackenen Kekse fertig.“
Tess nickte und unterdrückte ein Gähnen. Ich deckte sie mit der lavendelfarbenen Wolldecke zu, die ihre Großmutter immer auf der Armlehne des Sofas liegen hatte. Sie drehte sich auf die Seite, strich sich mit dem Finger über die Wange und war schon halb eingeschlafen.
Ich stand einen Moment da und beobachtete, wie sich ihr Brustkorb langsam hob und senkte, wie eine sanfte Flutwelle. Dann nahm ich mein Handy und öffnete die Babyphone-App.
Mutter rief aus der Küche:
„Piper? Ich mache dir Tee, okay?“
‘Ja, danke Mama’, antwortete ich, aber meine Augen waren bereits auf den Bildschirm gerichtet.
Die Kamera stand im Wohnzimmer, versteckt hinter einem Stapel alter Bücher. Ich hatte sie vor langer Zeit installiert, als Lizzies Duft noch stundenlang im Flur hing, nachdem sie gegangen war, und Daniels Lächeln irgendwie unnatürlich wirkte. Ich hatte mir die Aufnahmen monatelang nicht angesehen.
Ich habe den Knopf „Live-Übertragung“ gedrückt.