Joaquín betrachtete Emiliano mit einem seltsamen Blick, einer Mischung aus Bewunderung und Vorsicht. Er sah in ihm einen starken Mann, einen Mann aus einer anderen Welt, einer Welt der Luxusautos und gläsernen Büros, aber gleichzeitig war er auch der Typ Mann, der im Müll gelandet wäre, hätte ihn seine Mutter nicht gefunden.
Luz Marina war anders. Kinder werden nicht mit demselben Misstrauen betrachtet wie Erwachsene. Sie nahm Emiliano schnell in ihr Herz auf, als wäre seine Anwesenheit im Haus völlig normal. Sie setzte sich neben ihn und unterhielt sich unaufhörlich mit ihm, wobei sie darauf bestand, dass er das beste Brot im Haus aß, obwohl nur noch wenig davon übrig war.
Eines Nachts, während die Kinder auf Matratzen am Boden schliefen, saß Camila an dem kleinen Tisch und nähte im schwachen Licht einer gelben Lampe ein altes Hemd.
Plötzlich, ohne dass Emiliano aufblickte, sagte sie: „Ich habe meinen Mann vor drei Jahren verloren.“
Emiliano hob langsam den Kopf.
Er stürzte von einem Baugerüst.
Eine bedrückende Stille senkte sich über den Raum.
„Welche Firma?“, fragte er leise.
„Ein Subunternehmer“, antwortete sie und nähte weiter. „Die hatten keine Versicherung. Die haben mir einfach zwei Monatsgehälter gegeben und dann gesagt, der Unfall sei nicht ihre Schuld.“
Lange herrschte Stille im Raum.
Dann fragte Emiliano leise: „Ist das Projekt für RC-Unternehmen gedacht?“
Camila antwortete nicht.
Es bedurfte keines Wortes.
Emilianos Gesicht wurde kreidebleich, als hätte ihn die Wahrheit mitten ins Herz getroffen. Es tut mir leid.
Camila hob den Kopf nicht.
Er stach die Nadel weiter in den Stoff und sagte: „Deine Entschuldigung wird ihn nicht zurückbringen.“
Zwischen ihnen legte sich ein langes Schweigen, doch es war kein Schweigen des Hasses, sondern ein schweres Schweigen, das eine Geschichte des Schmerzes und unveränderliche Wahrheiten in sich trug.
Nur zwei Tage später kam die Gefahr.
Die Sonne begann bereits unterzugehen, als ein schwarzes Auto ohne Nummernschild am Eingang der engen Gasse anhielt.
Joaquin bemerkte es als Erster.
„Mama, das sind dieselben Männer, die auf dem Zeitungsfoto zu sehen waren“, sagte er leise und spähte aus dem Fenster.
Emiliano näherte sich vorsichtig und spähte durch einen kleinen Spalt in der Wand.
Sein Körper spannte sich sofort an.
– Faustos Männer.