Deutschland, Bissen für Bissen: Buchweizenpfannkuchen

Hannover liegt im Norden Deutschlands und ist die Hauptstadt des Bundeslandes Niedersachsen. Die Region zeichnet sich durch ihre beeindruckenden Moorlandschaften aus, die nirgendwo sonst in Deutschland so stark vertreten sind. Hier hat auch das heutige Gericht – Buchweizenpfannkuchen – seinen Ursprung.

Was hat das Moor mit Pfannkuchen zu tun?

Sonnenuntergang, der sich im Wasser eines Kanals spiegelt, der durch die Heidelandschaft Niedersachsens fließt.
Tausende schnurgerade Kanäle durchziehen die Moore Niedersachsens.Bild: picture-alliance/blickwinkel/H. Pieper

Bei genauerer Betrachtung gewährt uns der Buchweizenpfannkuchen einen tiefen Einblick in die Kulturgeschichte dieser Region. Die Hauptzutat – Buchweizen – führt uns direkt in die Welt der Torfstecher und Moorbauern, die über Jahrhunderte dieses wilde und karge Land in Norddeutschland urbar machten. Sie entwässerten die Moore, legten Kanäle an, stachen Torf, transportierten ihn mit Booten und Zügen, bauten Brücken und gründeten Siedlungen entlang der Entwässerungskanäle. Kurz gesagt, sie prägten die Landschaft Niedersachsens, wie wir sie heute kennen. Und Buchweizen ernährte sie. Lange Zeit war er das Einzige, was auf diesen unfruchtbaren Böden wuchs und ihnen Nahrung bot.

Erleben Sie das Moor

Es ist bekannt, dass sich im äußersten Nordwesten Niedersachsens, in Ostfriesland, vor etwa 400 Jahren die ersten Siedler niederließen. Dort bauten sie Kanäle, um das Land zu entwässern und Torf abzubauen. Nach und nach wurden auch andere Moorgebiete systematisch entwässert und auf diese Weise urbar gemacht – zunächst in mühsamer Handarbeit, später industriell. Zugegeben, die Landschaft wirkt flach und eintönig. Erst aus der Nähe offenbart sie ihre Geheimnisse.

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Ein Holzsteg durch eine Moorlandschaft in Niedersachsen, DeutschlandEin Holzsteg durch eine Moorlandschaft in Niedersachsen, Deutschland
Trockene Füße beim Durchqueren des Moores – links und rechts blüht das Wollgras.Bild: picture-alliance/Panther Media/L. Matrisch
Heute sind natürliche Moore selten und stehen unter Schutz. Zahlreiche Naturparks laden dazu ein, diesen einzigartigen Lebensraum mit seiner besonderen Flora und Fauna kennenzulernen. Die Natur des Moores regt Besucher zum genauen Hinsehen und Verweilen an. Am besten erkundet man Wollgras und Sonnentau mit dem Fahrrad oder zu Fuß. So lässt sich beispielsweise ein einst das größte Moorgebiet Mitteleuropas erkunden: das Bourtanger Moor an der Grenze zu den Niederlanden. Heute ist es ein 140 Quadratkilometer großer Naturpark, der sich beidseits der Grenze erstreckt.

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Auf deutscher Seite liegt das Bourtanger Moor im Emsland. Dort veranschaulicht das Freilichtmuseum Von Velen in Papenburg eindrücklich, wie die Menschen dort einst lebten und wie hart die Arbeit im Moor war.

Statue eines Arbeiters, der einen Torfkahn einen Kanal entlangziehtStatue eines Arbeiters, der einen Torfkahn einen Kanal entlangzieht
Schwere körperliche Arbeit: Menschen oder Pferde zogen die voll beladenen Torfkähne die Kanäle entlang.Bild: picture-alliance/ImageBroker/R. Kiedrowski
Ein weiteres, sehr bekanntes Moorgebiet liegt etwas südlich von Bremen: das 500 Quadratkilometer große Teufelsmoor. Stadtmüde und naturverbundene Künstler ließen sich hier Ende des 19. Jahrhunderts nieder und gründeten die Künstlerkolonie Worpswede. Sie lebten und arbeiteten hier und widmeten sich mit Leidenschaft den Motiven ihrer unmittelbaren Umgebung. Nicht nur die Lichteffekte faszinierten sie, sie wurden auch zu Chronisten der Welt der Torfbauern und Torfstecher. Das Künstlerdorf ist heute für Besucher geöffnet.

Großes weißes Haus, das heute ein Museum und Gärten in Worpswede beherbergtGroßes weißes Haus, das heute ein Museum und Gärten in Worpswede beherbergt
Das Barkenhoff – einst Zentrum der Künstlerkolonie in Worpswede, heute ein MuseumBild: picture-alliance/ImageBroker/Fotosol
Reich an Buchweizen

Die Künstler aus der Stadt müssen den Torfstechern und Bauern der Moorlandschaft wie Fremde vorgekommen sein. Die Moorbewohner hatten ganz andere Sorgen. Essen war eine davon. Essbares aus dem Boden zu gewinnen, war alles andere als einfach. Buchweizen war ihre Rettung; er kam problemlos mit dem kargen und feuchten Boden zurecht. Buchweizen kann bereits nach drei Monaten geerntet werden, sodass zwei Ernten pro Jahr möglich waren. Buchweizen wurde zur wichtigsten Nutzpflanze der Moorbewohner.

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Nahaufnahme von Händen, die Buchweizensamen haltenNahaufnahme von Händen, die Buchweizensamen halten
Buchweizensamen – anspruchsloses Nahrungsmittel und AlleskönnerBild: picture-alliance/ImageBroker/Kami
Buchweizen ist – entgegen der Namensgebung – kein Getreide, sondern ein Gras, genauer gesagt ein Knöterich. Seine Körner wurden zu herzhaftem Grütze gekocht oder zu Mehl verarbeitet. Buchweizenmehl wurde in den Moorküchen Niedersachsens zur Zubereitung von Brot- und Kuchenteig sowie für die berühmten Buchweizenpfannkuchen verwendet. Besonders beliebt war es in Kombination mit Speck, Rübensirup und Preiselbeeren. Es wird zum Tee serviert – und ein Schnaps im Anschluss war ebenfalls ein gern gesehener Genuss.

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Pfannkuchen mit einer Botschaft

Der Buchweizenpfannkuchen hatte neben seinem Nährwert noch eine weitere Bedeutung. Er soll bei der Partnerwahl oder der Partnervermittlung eine Rolle gespielt haben – er war ein Pfannkuchen mit einer Botschaft. Es war Brauch, jungen, heiratsfähigen Bauern Buchweizenpfannkuchen im Haus der begehrten unverheirateten Frauen anzubieten. Die Anzahl der Speckstücke im Pfannkuchen verriet dem Verehrer, was sie empfand. Eine gerade Anzahl bedeutete, dass diese potenzielle Beziehung Zukunft haben könnte. Eine ungerade Anzahl signalisierte ihm diskret, dass er nicht wiederkommen müsse. So hieß es Abschied nehmen von der potenziellen Braut – aber immerhin hatte er einen Pfannkuchen als Belohnung.

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Buchweizen war in Deutschland lange Zeit in Vergessenheit geraten. In den letzten Jahren erfreut er sich jedoch wieder zunehmender Beliebtheit, da immer mehr Menschen eine Glutenallergie entwickeln. Denn Buchweizenmehl ist, anders als Weizenmehl, glutenfrei. Allergiker können daher bedenkenlos ein Stück Buchweizenkuchen genießen.

Nahaufnahme eines geschichteten Buchweizenkuchens in NiedersachsenNahaufnahme eines geschichteten Buchweizenkuchens in Niedersachsen
Glutenfreie Leckereien – Buchweizenkuchen aus der Lüneburger HeideBild: picture-alliance/dpa/C. Klose
Übrigens ist Buchweizenkuchen eine Spezialität, die besonders in der Gegend um die Lüneburger Heide bekannt und beliebt ist. Ein Biskuitboden aus Buchweizenmehl wird mit Preiselbeermarmelade und Sahne bestrichen. Das harmoniert besonders gut mit dem leicht nussigen Geschmack des Buchweizens. Dieser nussige Geschmack verleiht auch unseren Buchweizenpfannkuchen ihre besondere Note.

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