Ein wiederkehrendes Geschenk: Die Kraft des Mitgefühls
Der Duft von frischem Brot und eine schwere Entscheidung
Es war ein eiskalter, trister Dienstagmorgen in der Bäckerei, in der ich arbeitete. Die Auslagen waren gefüllt mit wunderschönen, glasierten Gebäckstücken, und der Duft von frisch gebackenem Sauerteigbrot und Zimt lag schwer in der Luft. Während ich die Theke abwischte, kam eine junge, hochschwangere Frau herein. Sie trug dünne, zerfetzte Mäntel, die der eisige Wind unmöglich abhalten konnte, und sie zitterte am ganzen Körper.
Mit ihrem weichen, zerbrechlichen Rüssel fragte sie, ob wir vielleicht noch etwas altes Brot vom Vortag hätten. Sie flüsterten, dass sie keinen Cent in der Tasche hätten, aber dass sie vor Hunger fast ohnmächtig geworden wäre.
Ich sah ihr blasses Gesicht an und nahm, ohne zu zögern, ein warmes, frisch gebackenes Vollkornbrot aus dem Regal, wickelte es in Papier und schob es über die Theke. Sie sah mich mit großen, tränengefüllten Augen an. Ein aufgesetztes, aber wunderschönes Lächeln lag auf ihrem Gesicht. Sie öffnete ihre Manteltasche, zog eine alte Haarnadel aus Messing mit einem kleinen geschnitzten Vogel hervor und drückte sie mir fest in die Handfläche. „Hier“, flüsterte sie bestimmt. „Die brauchst du nicht.“
Mein Chef, ein harter und rücksichtsloser Mann, hatte alles von seinem Büro im Hinterzimmer aus beobachtet. Sobald die Frau den Laden verlassen hatte, rief er mich zu sich. Er feuerte mich auf der Stelle wegen „Diebstahls“. Ich behielt meine Sachen drinnen, steckte die Haarnadel aus Messing in meine Manteltasche und ging hinaus in die Kälte. Ich erwartete nichts von der Nadel; sie war nur eine traurige Erinnerung an einen verkorksten Tag…
Die folgenden Wochen waren unerbittlich hart. Meine Ersparnisse schwanden rapide, und die Absagen auf meine Bewerbungen häuften sich. Genau sechs Wochen nach meiner Entlassung, als ich verzweifelt in den Taschen meiner alten Bäckerschürze nach Kleingeld suchte, spürte ich ein Rascheln in meiner Hand.
Es war ein kleines, gefaltetes Stück Papier. Ich faltete es auseinander, und mir stieg sogar das Blut in die Adern. Es war eine kurze Hose der Schwangeren, die sie mir an diesem Morgen mehrmals heimlich in die Tasche meiner Hose gesteckt hatte, als sie sich bei mir bedankte.
Es gab nur einen Satz in hastig geschriebener Handschrift: „Güte erfordert manchmal ein Opfer, aber sie bleibt niemals, absolut niemals, unbeantwortet.“
An diesem dunklen Abend, nach einem weiteren erfolglosen Tag voller Bewerbungen, ging ich niedergeschlagen an einer gemütlichen, gut besuchten Kantine vorbei. Ein schlichtes, handgeschriebenes elektronisches Schild hing im Fenster: Mitarbeiter gesucht. Da ich wirklich nichts mehr zu verlieren hatte, stieß ich die schwere Holztür auf und trat ein.
Ich wurde von Elias, dem älteren, freundlichen Besitzer des Cafés, begrüßt. Während des spontanen Vorstellungsgesprächs überflog er praktisch meinen Lebenslauf. Er fragte mich nach meiner Geschichte. Als ich ihm mit Kloß im Hals und einem Seufzer von der Bäckerei, dem Brot und meiner Kündigung erzählte, sah ich, wie sich sein Gesichtsausdruck sofort erweichte. Ein Ausdruck tiefen Verständnisses und Schmerzes spiegelte sich in seinen Augen; auch er kannte dieses Gefühl nur allzu gut…
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