In vielen Haushalten gehört das regelmäßige Abtauen des Gefrierschranks zu den unbeliebtesten Aufgaben beim Frühjahrsputz oder der routinemäßigen Küchenreinigung. Man schiebt diese Arbeit lieber auf, da sie traditionell mit viel Zeitaufwand, lästigen Essensresten und ärgerlichem Schmelzwasser verbunden wird. Daher ist es nicht verwunderlich, dass im Internet und in den sozialen Medien allerlei sogenannte Wundermethoden und Lifehacks kursieren, die eine blitzschnelle Lösung versprechen. Ein bestimmter Tipp klingt besonders verlockend: Das Eis soll einfach verschwinden, ohne dass man den Gefrierschrank auch nur kurz vom Stromnetz trennen muss.
Auf den ersten Blick klingt dieses Versprechen natürlich unglaublich praktisch und verlockend. Schließlich möchte doch niemand schwere Elektrogeräte von der Wand nehmen müssen, um an die Steckdose zu gelangen, oder stundenlang ungeduldig warten, bis das dicke Eis von selbst schmilzt? So schön diese Idee auch sein mag, leider muss man ihr den Spaß verderben und diesen gefährlichen Irrglauben im Keim ersticken. Den Gefrierschrank bei ausgeschaltetem Gerät abzutauen ist absolut kein genialer Tipp, sondern ein völlig kontraproduktiver Mythos. Diese Vorgehensweise ist weder gut für die Lebensdauer Ihres wertvollen Haushaltsgeräts noch für Ihren Geldbeutel oder Ihre persönliche Sicherheit.
Um zu verstehen, warum dieser vermeintliche Trick in der Praxis nicht funktioniert, muss man sich die Funktionsweise moderner Kühlgeräte ansehen. Versucht man, Eis zu entfernen, während der Gefrierschrank noch normal funktioniert – beispielsweise mit heißem Wasser oder durch manuelles Abkratzen der Eisschicht –, löst man eine Kettenreaktion aus, die das Gerät erheblich beschädigen kann.
Warum taut es während des Gebrauchs auf?
Der wichtigste Faktor in diesem Prozess ist der Kompressor des Geräts. Der eingebaute Thermostat des Gefrierschranks registriert beim Öffnen der Tür und dem damit verbundenen Wärmeeintritt eine plötzliche, drastische Erwärmung des Innenraums. Da das Gerät weiterhin mit Strom versorgt wird, versucht die Elektronik sofort, dieser Erwärmung entgegenzuwirken und den Temperaturanstieg auszugleichen. Infolgedessen schaltet das Kühlsystem auf maximale Leistung und kühlt ununterbrochen. Dies führt zu einem extrem hohen und völlig unnötigen Energieverbrauch, der sich unmittelbar auf Ihre nächste Stromrechnung auswirkt.
Aufgrund dieser extremen, anhaltenden Belastung über einen längeren Zeitraum besteht ein akutes Risiko der Motorüberhitzung. Der Kompressor ist nicht für einen derart permanenten Betrieb unter extremen Bedingungen ausgelegt; er kann überhitzen, schwer beschädigt werden oder im schlimmsten Fall komplett ausfallen, was teure Reparaturen oder sogar den Kauf eines Neugeräts nach sich zieht. Ein weiterer Nebeneffekt ist die extrem schnelle Eisbildung. Da das Kühlsystem während des Betriebs auf Hochtouren läuft, kondensiert die warme, feuchte Raumluft, die durch die offene Tür einströmt, sofort an den gefrorenen Innenwänden. Das Ergebnis ist ernüchternd: Kaum hat man einen Eiswürfel vorsichtig entfernt, bildet sich fast umgehend eine neue Eisschicht.
Darüber hinaus besteht erhebliche Lebensgefahr und ein enormes Schadensrisiko, wenn man versucht, die Eisschicht von einem eingeschalteten Gerät mit Werkzeugen wie Messern, Spateln oder Schabern mechanisch zu entfernen. Mit diesen scharfen oder spitzen Gegenständen lassen sich die empfindlichen Kühlleitungen im Inneren des Gehäuses sehr leicht beschädigen. Werden diese Leitungen beschädigt, tritt das Kühlmittel aus, was nicht nur gesundheitsschädlich ist, sondern das Gerät auch irreparabel beschädigen kann. Da das Gehäuse ebenfalls unter Spannung steht, besteht im schlimmsten Fall die Gefahr eines gefährlichen Stromschlags, wenn Feuchtigkeit in die Elektronik eindringt.