Es war meine Traumschule.
Ich las es sitzend auf dem Badezimmerboden, damit meine Mutter mich nicht weinen hörte.
Ich hatte zwar ein Teilstipendium erhalten, aber das reichte nicht. Nicht angesichts der Krankenhausrechnungen, die sich auf unserem Küchentisch stapelten, und nicht angesichts der Medikamente meiner Mutter, die mehr kosteten als unser Strom.
Also habe ich den Zulassungsbescheid ausgedruckt, ihn zweimal in der Mitte gefaltet und ganz hinten in meiner Kommode versteckt.
An diesem Abend ertappte mich meine Mutter dabei, wie ich den Flyer für den Abschlussball am Kühlschrank anstarrte.
‘Gehst du?’, fragte sie.
Ich riss den Flyer ab. „Nein.“
Ihr Blick wurde schärfer. „Warum nicht?“
Ich zuckte mit den Achseln. „Es ist doch nur der Abschlussball.“
‘Lilie.’
Ich hasste es, wenn sie meinen Namen so aussprach. Als ob sie jede Lüge schon vor meinem Mund erkennen könnte.
„Das können wir uns nicht leisten“, sagte ich. „Die Eintrittskarte, die Schuhe, das Kleid. Wir können uns ja kaum Lebensmittel leisten.“
Mama saß ganz still.
„Du gehst“, flüsterte sie. „Und du wirst das Kleid deiner Träume tragen.“
Ich musste fast lachen, weil es unmöglich klang.
„Mama, bitte. Ich muss nicht zum Tanz gehen.“
Ja, in der Tat.
Nein, ich möchte, dass du dich ausruhst.
Ihre Kiefermuskeln spannten sich an. „Mach dich nicht kleiner, nur weil das Leben uns so hart getroffen hat.“
Ich wusste nicht mehr, was ich sagen sollte.
Am nächsten Morgen ging sie in ihr Nähzimmer.