Der Wecker klingelt um 4 Uhr morgens
Ich habe fast neun Jahre als Wachmann gearbeitet.
Viele stellen sich den Job eines Wachmanns so vor: Man steht in Uniform da, trinkt Kaffee und beobachtet Überwachungskameras. Manchmal stimmt das auch. Aber es gibt Nächte, in denen sich die Arbeit schwerer anfühlt als die Jacke auf meinen Schultern. Man lernt, Dinge wahrzunehmen, die anderen entgehen. Eine offene Tür. Ein nervöses Gesicht. Ein ungewöhnliches Geräusch.
Meine Schicht begann um fünf Uhr morgens, was bedeutete, dass ich um vier Uhr das Haus verlassen musste.
Jahrelang gehörte diese Stunde nur mir.
Die Wohnung wäre dunkel. Draußen würde die Welt noch schlafen. Ich würde mich leise durch die Küche bewegen, mein Mittagessen zubereiten, meine Stiefel schnüren und meine siebenjährige Tochter Lily auf die Stirn küssen, bevor ich ging.
Zumindest war es früher so.
Dann, an einem Montagmorgen, hörte ich das leise Piepen eines Weckers aus Lilys Zimmer.
Ich bin im Flur stecken geblieben.
Ein paar Sekunden später öffnete sich die Tür und da stand sie, in ihrem rosa Pyjama, mit zerzausten Haaren, ihren Stoffhasen unter dem Arm.
„Lily?“, flüsterte ich. „Was machst du denn wach?“
