Im Krankenhaus bestätigten die Ärzte meine Befürchtung: Clara hatte einen schweren Schlaganfall erlitten. Ihr Zustand war kritisch, die nächsten Stunden würden entscheidend sein. Während die Geräte in der Notaufnahme piepten, saß ich an ihrem Bett und hielt ihre kalte Hand. Mit zitternden Fingern suchte ich auf meinem Handy nach Mias Nummer. Sie musste wissen, was mit ihrer Mutter geschah.
Als Mia schließlich antwortete, klang ihre Stimme gereizt, als würde ich sie bei einem wichtigen Abendessen stören.
„Was ist denn so dringend?“, fragte sie kurz angebunden.
Ich erklärte ihr die Situation: den Schlaganfall, Claras kritischen Zustand im Krankenhaus und dass die Ärzte nicht wussten, ob sie die Nacht überleben würde. Ich erwartete Tränen, Panik oder zumindest eine Frage nach dem Standort des Krankenhauses. Doch ihre Reaktion raubte mir den Boden unter den Füßen.
Mia seufzte tief und sagte mit eiskalter, distanzierter Stimme: „Ruf mich einfach an, wenn sie weg ist.“
Bevor ich etwas erwidern konnte, legte sie auf. Ich starrte fassungslos auf mein Handy, überwältigt von der Herzlosigkeit ihrer Worte. Von diesem Moment an wusste ich, dass ich Clara in ihrem letzten Kampf allein unterstützen musste.
Zwei Tage der Hoffnung und des Abschieds
Die nächsten 48 Stunden verließ ich das Krankenhaus kaum. Ich schlief auf einem Stuhl neben dem Bett und sprach mit Clara, in der Hoffnung, dass sie meine Stimme noch irgendwie hören konnte. Ich erzählte ihr von den schönen Erinnerungen, die wir teilten, von meinem Vater und von meiner Dankbarkeit für die Jahre, in denen sie sich um uns gekümmert hatte.