Die 60-jährige Witwe, die auf dem Markt den jüngsten Sklaven kaufte, um ihn zu ihrem Erben zu machen (1842)

Charleston, South Carolina, Juli. Die drückende Sommerhitze im Süden machte die Luft fast unerträglich. Vor dem Sklavenmarkt hatte sich eine Menschenmenge auf dem Platz versammelt, um am wöchentlichen Verkauf teilzunehmen. Unter den Käufern stach eine Silhouette besonders hervor.

Elizabeth Beaumont, 62 Jahre alt, Witwe des wohlhabenden Plantagenbesitzers Jacques Beaumont, der sechs Monate zuvor verstorben war. Elizabeth hatte diesen Markt seit Jahrzehnten nicht mehr besucht. Ihr Mann hatte die Arbeiter für ihre Baumwollplantage persönlich angeworben. Doch heute war sie allein gekommen, von Kopf bis Fuß in Schwarz gekleidet, ihr Gesicht hinter einem Spitzenschleier verborgen.

Sobald sie erkannt wurde, begannen Tuscheleien. Der Auktionator führte einen jungen schwarzen Jungen auf die Bühne. Er war kaum dreizehn Jahre alt, dünn und hatte einen leeren Blick. Seine Mutter war gerade an einen Plantagenbesitzer in Georgia verkauft worden. Das Kind zitterte, und nicht nur vor Hitze. Die Käufer musterten ihn gleichgültig. Zu jung, zu schwach für die Feldarbeit. Niemand schien Interesse zu haben.

„30 Dollar“, verkündete der Auktionator zur Eröffnung. Stille. „Dann 40 Dollar … immer noch nichts?“ Der Junge senkte den Blick und erkannte, dass seine Zukunft düster aussah. Sklaven, die keinen Käufer fanden, landeten oft in den Minen oder Textilfabriken des Nordens, wo die Lebenserwartung selten mehr als ein paar Jahre betrug. „100 Dollar!“, rief Elizabeth plötzlich mit klarer Stimme.

Alle Blicke waren auf sie gerichtet. Der Auktionator blinzelte überrascht. „Mrs. Beaumont, haben Sie 100 Dollar gesagt?“ „Sie haben richtig gehört: 100 Dollar in bar.“ Der Kauf war innerhalb weniger Minuten abgeschlossen. Elizabeth bezahlte, unterzeichnete die Eigentumsurkunde und verließ den Markt. Der Junge folgte ihr mit gesenktem Kopf.

Noch bevor sie ihre Kutsche erreichte, verbreitete sich das Gerücht. Warum sollte eine sechzigjährige Witwe einen so jungen und nutzlosen Sklaven kaufen? Was hatte sie nur mit ihm vor? In der Kutsche beobachtete Elisabeth den Jungen ihr gegenüber. „Wie heißt du?“, fragte sie. „Samuel, gnädige Frau“, flüsterte er, ohne sie anzusehen. „Samuel, das ist ein schöner Name. Kannst du lesen?“ Der Junge schüttelte verängstigt den Kopf.

In South Carolina war es Sklaven verboten zu lesen. Wer beim Lesen erwischt wurde, musste mit der Peitsche bestraft werden. „Ich werde es dir beibringen“, erklärte Elizabeth ruhig. Samuel blickte sie schließlich ungläubig an. Doch das Gesicht der alten Frau blieb hinter ihrem Schleier unbewegt. Er wagte es nicht, Fragen zu stellen.

Das Anwesen der Beaumonts lag am Stadtrand von Charleston, ein imposantes Gebäude im Kolonialstil, umgeben von jahrhundertealten, mit Spanischem Moos bewachsenen Eichen. Elizabeth lebte nun allein dort, abgesehen von drei älteren Bediensteten, die der Familie seit Jahrzehnten dienten. Bei deren Ankunft führte sie Samuel nicht in die Sklavenquartiere hinter dem Haupthaus, sondern in ein kleines Zimmer im ersten Stock, neben der Bibliothek. Der Junge traute seinen Augen nicht.