Und auch danach wieder.
Woche für Woche trauerte dieser Fremde um meine Frau, als wäre sie auch seine gewesen.
Zuerst war ich verwirrt.
Dann wurde ich wütend.
Wer war er?
Woher kannte er Emily?
Warum kam dieser Mann jede Woche zu ihr, während manche ihrer eigenen Familienmitglieder kaum kamen?
Emily war vierzehn Monate zuvor an Brustkrebs gestorben.
Sie war erst dreiundvierzig.
Wir waren zwanzig Jahre verheiratet.
Zwei Kinder.
Ein ruhiges Zuhause. Sie war Kinderkrankenschwester gewesen.
Sie engagierte sich ehrenamtlich in der Kirche.
Sie fuhr einen silbernen Minivan und packte Snacks für jede Schulveranstaltung ein.
Ihre Vorstellung von Regelbruch war, vor dem Abendessen Nachtisch zu bestellen.
Aber dieser Biker trauerte um sie, als hätte sie einen unersetzlichen Menschen verloren.
Manchmal sah ich aus meinem Auto, wie ihre Schultern zitterten.
Manchmal, bevor er ging, legte er seine harte Hand auf seinen Grabstein und verharrte dort einige Sekunden.
Als wollte er sich noch einmal verabschieden.
Im dritten Monat hielt ich es nicht mehr aus.
An jenem Samstag stieg ich aus meinem Auto und ging auf ihn zu.
Er hörte meine Schritte, drehte sich aber nicht um.
Seine Hand blieb auf dem Namensschild „Emily“ liegen.
„Entschuldigen Sie“, sagte ich, meine Stimme deutlicher als beabsichtigt. „Ich bin Emilys Ehemann. Ich denke, es ist an der Zeit, dass Sie mir sagen, wer Sie sind.“
Lange Zeit schwieg er.
Dann stand er langsam auf, drehte sich zu mir um und sah aus wie ein Mann, der sechs Monate auf diese Frage gewartet hatte.
Schließlich sagte er:
„Ihre Frau war meine …“