Eine Wahrheit, deren sich Nathaniel nicht bewusst war.
Evelyn versuchte, ihn an die Vergangenheit zu erinnern.
Die Rechnungen.
Die Opfer.
Die schwierigen Jahre.
Die Momente, in denen sie an seiner Seite blieb, obwohl er nichts mehr hatte.
Nathaniel sah jedoch keinen Nutzen mehr darin.
Er hatte das Kapitel bereits umgeblättert.
Und er hatte sogar noch eine andere Frau zur Gala eingeladen.
Elena, die Tochter eines einflussreichen Regisseurs.
Seinen Angaben zufolge verkörperte sie besser das Image, das er nun vermitteln wollte.
Bevor er ging, sprach er noch eine letzte Drohung aus:
— Sollten Sie trotzdem erscheinen, werden Sie vom Sicherheitspersonal hinausgeworfen.
Dann stieg er in sein Auto und verschwand.
Evelyn blieb allein inmitten der Asche zurück.
Doch irgendetwas hatte sich in ihr verändert.
Der Schmerz schlug nicht in Wut um.
Sie beruhigte sich.
Unheimlich ruhig.
Denn in diesem Moment begriff sie endlich etwas Wesentliches.
Nathaniel mochte sie einfach.
Er glaubte, sie sei von ihm abhängig.
Er hielt sie für wertlos.
Und dennoch hatte er absolut keine Ahnung, wer sie wirklich war.
Sterling Dominion, das Unternehmen, das er so sehr liebte und als Quelle seines Erfolgs betrachtete, war schon immer im Besitz seiner Familie gewesen.
Evelyn Hart war mehr als nur eine Ehefrau.
Sie war die Alleinerbin der Familie Hart.
Der Mehrheitsaktionär.
Und der diskrete Präsident von Sterling Dominion.
Sieben Jahre zuvor hatte sie freiwillig ihren Reichtum und ihren Status aufgegeben, um etwas Authentisches zu finden.
Sie wollte wissen, ob ein Mann sie lieben könnte, ohne ihre Kräfte zu kennen.
Er hatte keine Ahnung, dass er mit seinem Vermögen ganze Gebäude kaufen könnte.
Ohne zu wissen, dass sie eine der reichsten Frauen des Landes war.
Sie hatte sich für Nathaniel entschieden.
Und nun hatte sie ihre Antwort.
Sie nahm ihr Telefon und wählte eine Nummer.
Die Antwort kam mit dem allerersten Klingelton.
— Herr Sterling.
— Frau Präsidentin.
Seine Stimme klang sofort respektvoll.
— Sind Sie bereit für die Gala?
Evelyn betrachtete die Asche auf ihrem Kleid und antwortete dann ruhig:
— Schick das Team hinterher. Halte das Pariser Kleid und den Diamantschmuck bereit.
Es folgte Stille.
— Sofort, Madam.
Evelyn lächelte daraufhin kurz.
Kein rachsüchtiges Lächeln.
Ein Lächeln der Klarheit.
— Heute Abend komme ich als die Frau, die er nie verdient hat.
Die Gala beginnt
Der prunkvolle Salon des Imperial Crescent Hotels erstrahlte im Schein kristallklarer Kronleuchter. Leise Gespräche, edle Parfums und Gläser Champagner verliehen dem Abend eine Atmosphäre von Luxus und Erhabenheit.
Nathaniel Brooks stand mitten im Raum.
Tadellos gekleidet.
Voller Zuversicht.
Er war überzeugt, der Star des Abends zu sein.
Elena Pierce war an seiner Seite.
Ein Seniorpartner kam, um ihm zu gratulieren.
Es heißt, die Präsidentin selbst werde heute Abend anwesend sein. Es wird ihr erster öffentlicher Auftritt sein. Ein historischer Moment für das Unternehmen.
Nathaniel lächelte zufrieden.
— Das ist normal. Ich bin die vielversprechendste Führungskraft in diesem Unternehmen. Wer sonst sollte sich einen Wandel wünschen?
Er drückte Elenas Hand sanft.
— Wir repräsentieren das exakte Image dieses Unternehmens.
„Ein perfektes Foto“, antwortete sie lächelnd.
Sie lachten zusammen.
Sie ahnten absolut nicht, dass sich alles bald ändern würde.