Teil 1:
Seit sechs Jahren pflanzen mein Sohn und ich Sonnenblumen zum Gedenken an seine Zwillingsschwester, die er im Alter von nur sechs Jahren verlor. Doch letzten Samstag, noch vor Sonnenaufgang, betraten wir den Garten und fanden alle Blumen vor – bis auf eine.
An diesem einen Stiel hing eine kleine weiße Schachtel.
Mein Sohn Patrick verlor seine Zwillingsschwester Lily im Alter von sechs Jahren. Sie waren unzertrennlich vom Tag ihrer Geburt an. Wenn Patrick lachte, lachte Lily mit. Wenn Lily weinte, weinte Patrick auch. Lily war furchtlos. Patrick war vorsichtig und stets auf der Hut vor Gefahren.
An einem Sommernachmittag waren wir auf dem Bauernhof meiner Eltern. Die Zwillinge fragten, ob sie altes Brot zum Teich hinter der Wiese bringen dürften, um die Enten zu füttern. Ich sagte ja.
Nur Patrick kam zurück.
Er stand knietief im Wasser, war von Kopf bis Fuß mit Schlamm bedeckt und schrie so laut, dass ich ihn kaum verstehen konnte. Als ich ihn endlich verstand, zog er mich schon ins Wasser.
Wir fanden zerdrücktes Schilf, trübes Wasser und einen halben Sack Brot in der Nähe des Ufers.
Die Beamten suchten bis zum Einbruch der Dunkelheit. Sie untersuchten den Teich, die Straße hinter dem Zaun und den Entwässerungsgraben, der nach starken Regenfällen das Wasser abführte. Ein entfernter Cousin namens Vince, der in der Nähe wohnte, blieb die ganze Nacht draußen und suchte.
Die Beamten vermuteten, dass Lily zu nahe an den Rand geraten und von der tieferen Strömung mitgerissen worden war. Sie nannten es einen tragischen Unfall.
Patrick gab sich selbst die Schuld.