Der einzige Grund, warum sie der Reise nach Dubai zustimmte, war praktischer Natur. Marcus Sterling, ein angesehener Kreativdirektor in der Dubaier Hotelbranche, hatte nach Sichtung von Elenas Portfolio einem Treffen mit ihr zugestimmt. Elena dachte sich, die Reise könnte nützlich sein.
Dann rief ihre Mutter ein zweites Mal an, leise und eindringlich. Ihr Vater, Robert, habe „vorübergehende finanzielle Schwierigkeiten“. Die Flugpreise stiegen stündlich. Könnte Elena die Reservierungen einfach mit ihrer Karte bezahlen und sie später zahlen lassen?
Elena wusste es besser, sagte aber zu. Sie buchte alle vier Flüge über ihr Konto, beantragte ein Upgrade mit ihren hart verdienten Treuepunkten und sicherte sich vergünstigte Hotelzimmer dank der Partnerschaften ihrer Firma. Sie benötigte dafür 14.000 Dollar Kreditrahmen. Niemand dankte ihr.
Nun standen sie am Priority-Check-in-Schalter. Chloe war von drei riesigen, absurd schweren Louis-Vuitton-Koffer umgeben. Ihre Lippen glänzten, sie trug teure Sneaker und hatte einen zutiefst gelangweilten Gesichtsausdruck.
Die elegante Flugbegleiterin Maya tippte auf ihrer Tastatur und strahlte Elena an. „Frau Mercer, vielen Dank für Ihre Treue. Ich habe wunderbare Neuigkeiten: Ihr Upgrade-Antrag wurde genehmigt. Sie erhalten den letzten verfügbaren Liegesitz in der Business Class.“
Elena verspürte tiefe Erleichterung. Das Bett. Ein wahrgewordener Traum. „Danke“, flüsterte sie.
„Moment mal, was?“, fuhr Chloe sie an und nahm ihre Designer-Sonnenbrille ab. Sie schob sich an ihrer Mutter vorbei und lehnte sich an die Theke. „Nur ein Platz? Wer kriegt den?“
„Es betrifft die Hauptkontoinhaberin, Ma’am“, erklärte Maya höflich. „Frau Mercer.“
Chloe wandte sich an Elena und hielt ihr die Hand hin, als wolle sie Süßigkeiten. „Gib sie mir. Ich bin total erschöpft. Wir feiern meinen Abschluss, und ich muss unbedingt genug Schlaf bekommen, bevor es nach Dubai geht, damit ich auf den Fotos nicht dick aussehe. Außerdem bist du die harten Bedingungen der Economy Class ja sowieso gewohnt.“
Elena sah ihre Schwester an. Sie betrachtete die drei riesigen Koffer, die Elena hatte überprüfen lassen. Ein pochender Kopfschmerz überkam sie.
„Nein“, sagte Elena.