Ich rief Bogdan erst nach drei Tagen an.
„Erzählen Sie mir etwas über diese Immobilie“, sagte ich und versuchte, meine Stimme normal klingen zu lassen.
Bogdan sprach zögernd, in kurzen Sätzen, als ob ihn jedes Wort etwas kostete. Das Grundstück sei klein und mit einem Maschendrahtzaun umzäunt. Darauf stünde ein hölzerner Pavillon, nichts Besonderes. Seine Mutter pflanzte dort Hortensien und Lavendel. Zwei- oder dreimal im Jahr fuhr sie dorthin – mit dem Bus nach Koszalin und stieg dort um. Sie saß gern allein dort, mit einer Thermoskanne Tee, und beobachtete, wie ihre Pflanzen wuchsen.
– Warum hat sie es dir und nicht mir erzählt?
Stille. Eine lange, dichte Stille, in der ich seinen Atem hören konnte.
„Weil sie wusste, dass du dir Sorgen machen würdest“, sagte er schließlich. „Dass du anfangen würdest, nach Geld, Transport und dem Sinn des Ganzen zu fragen.“ Und sie wollte es nicht erklären. Sie wollte etwas Eigenes.
Dieser Satz schmerzte mich mehr als das Testament selbst. Denn er enthielt einen wahren Kern. Ich hätte mir Sorgen gemacht. Ich hätte gefragt, wie viel die Reise kostet, ob sie sich lohnt, ob es nicht besser wäre, das Geld für Medikamente zu sparen. Ich hätte dieses Grundstück genauso organisiert wie ihr ganzes Leben – vernünftig, praktisch, gründlich.
Und Mama wollte etwas Unvernünftiges. Etwas nur für sich selbst.
In den nächsten Tagen putzte ich die Wohnung. Ich warf alte Zeitungen weg, sortierte Kleidung und packte Sachen in Kisten. In der Schublade meines Nachttischs fand ich ein Notizbuch – ein ganz normales, kariertes von Biedronka.
Meine Mutter schrieb kurze Notizen hinein. Kein Tagebuch, eher Briefe. Was man im April pflanzen sollte. Welche Lavendelsorten die Meeresbrise vertragen. Wann man Hortensien schneiden sollte. Auf der letzten beschriebenen Seite, datiert auf Mai, stand ein Satz: „Sag Bogdan, er soll sie gießen, solange ich weg bin.“
Nicht ich. Bogdan.
Ich bin am Samstag allein nach Kołobrzeg gefahren. Ich habe meinem Bruder nichts davon gesagt. Die Artyleryjska-Straße fand ich problemlos – das Navi führte mich direkt zum Tor. Das Grundstück sah genauso aus, wie Bogdan es beschrieben hatte – klein, eingezäunt, mit einem grün gestrichenen Holzpavillon.
Die Hortensien blühten. Der Lavendel noch nicht, aber ich erkannte seine schmalen, grauen Blätter. Unter dem Pavillon stand eine Plastikkiste, und darin befanden sich Gartenhandschuhe, ein kleiner Spaten und ein Becher. Ein schlichter, weißer Becher mit dem blauen Schriftzug „Kołobrzeg“. So ein Becher, wie man ihn an den Strandbuden bekommt.
Ich saß auf einer Bank, die jemand – Bogdan? Mama? – an den Zaun gelehnt hatte. Es war still, nur der Wind und die Möwen in der Ferne. Man konnte das Meer nicht sehen, aber man konnte es spüren – die Feuchtigkeit, das Salz in der Luft.
Ich dachte an meine Mutter, die stundenlang mit dem Bus fuhr, um genau hier zu sitzen. Die Blumen pflanzte, Tee aus dieser Tasse trank und niemandem etwas erklären musste. Sie musste weder Mutter noch Großmutter noch Patientin sein. Sie war einfach sie selbst. Jemand, den ich – ihre Tochter, die Organisatorin, die Fragen stellte und praktische Lösungen fand – offensichtlich nicht kannte.
Es ging nicht um die Handlung. Es ging nie um die Handlung. Es ging darum, dass meine Mutter einen Ort in sich hatte, den sie mir verwehrte. Und dass sie Bogdan nicht wählte, weil sie ihn mehr liebte – sondern weil er sie nicht fragte. Er organisierte nichts. Er sorgte sich nicht um sie.
Ich schloss das Tor und blieb einen Moment auf dem Bürgersteig stehen. Mein Handy steckte in meiner Tasche. Ich hätte Bogdan anrufen und ihm sagen können, dass ich hier war. Dass ich ihn gesehen hatte. Dass ich ihn verstand – oder zumindest langsam verstand.
Ich habe noch nicht angerufen. Noch nicht.
Aber ich ging zurück zum Auto, holte mein Notizbuch aus der Tasche und schrieb einen Satz auf. Denselben, den Mama in ihr Notizbuch geschrieben hatte, nur etwas anders.
„Gieße den Lavendel, wenn ich das nächste Mal komme.“