Und genau dann geschah es.

Derek hatte sich auf eine „Reise“ begeben.

Lily hatte ihn sagen hören, dass es heute passieren würde.

„Sorge dafür, dass es wie ein Unfall aussieht.“

Die Haustür war bereit.

Und es gab Gas im Haus.

Ich schaute in die Küche. Der Herd war aus. Aber das hieß nichts. Der Geruch konnte von woanders herkommen. Aus einem offenen Rohr. Aus dem Keller. Vom Heizkörper. Von irgendwoher, wo ich nicht hinsehen konnte.

„Mein Schatz, fass nichts an“, flüsterte ich und packte Lily an den Schultern. Keine Schalter. Keine Lichter. Nicht dein Tablet. Nichts, oder?

Sie nickte mit zusammengepressten Lippen.

Meine Hand war schon auf dem Weg zu meinem Handy in meiner Tasche, als ich stehen blieb.

Bei genügend Gas hätte selbst eine Unterhaltung dort drinnen gefährlich sein können. Ich wusste nicht, ob es Paranoia oder Instinkt war, aber ich wollte nicht das Leben meiner Tochter riskieren, nur um rational zu wirken.

Wir mussten hier weg.

Aber nicht durch die Vordertür.

Mein Blick schweifte über das Haus. Vom Esszimmer aus ging es zum Seitengarten hinaus. Die Schiebetür vom Wohnzimmer führte auf die Terrasse. Die Hintertür führte zum kleinen Backofen neben der Garage.

Garage.

Die Garage war mit dem Haus verbunden.

Und Dereks Auto war weg.

Zu viele Variablen. Zu hohes Risiko.

Ich ging in die Hocke, bis ich auf Lilys Höhe war.

„Wir gehen aus dem Esszimmerfenster, okay?“ Ganz leise. So wie beim Spionagespiel.

Sie hatte solche Angst, dass sie nicht einmal lächelte, aber sie nickte wieder.

Ich führte sie an der Hand den Flur entlang, weg vom Eingang. Jeder Schritt schien mir eine Blasphemie gegen etwas, das allein durch unser Zuhören explodieren könnte. Das Haus, das mir vor einer Stunde noch normal vorgekommen war, wirkte nun fremd, feindselig, als würde es uns beobachten. Der Kühlschrank summte. Eine Uhr tickte die Sekunden. Der Heizkörper stieß durch ein verborgenes Gitter einen leisen Atemzug aus.

Alles war mir zu heftig.

Zu gefährlich.

Als ich durchs Wohnzimmer ging, sah ich das Familienfoto im Regal: Derek mit dem Arm um meine Schultern, Lily in der Mitte, lächelnd mit zwei Wackelzähnen und einer Pappkrone von ihrer Geburtstagsfeier. Einen Moment lang tat mein Verstand, was feige Menschen tun, wenn die Angst zu groß ist: Er versuchte, ihn zu verteidigen.

Vielleicht war er es gar nicht.