Der deutsche General, der drei Schwestern gefangen hielt… und was er ihnen danach antat

„Wie heißt du, Maéis?“ Sie nickte langsam, als wollte sie jede Silbe aufschreiben. Ich heiße Mathias, und zum ersten Mal seit 29 Jahren hörte ich den Namen meines Sohnes. Mathias und ich standen uns nie wirklich nahe. Wie auch? Ich war ihm fremd. Er war ein Mann, dessen Leben auf einer Lüge ruhte, die ich zu zerstören gekommen war. Wir sahen uns nach dieser ersten Begegnung noch ein paar Mal.

Höfliche Kaffeepausen, vorsichtige Gespräche. Er stellte mir Fragen über Aurore und Séverine, über das Feld, über Von Steiner. Ich antwortete ehrlich, auch wenn es weh tat. Eines Tages fragte er mich: „Hast du mich geliebt?“ „Ein bisschen.“ Ich sah diesen dreißigjährigen Mann an, diesen Fremden, der mein Sohn war, und sagte die Wahrheit. Ich liebte dich vom ersten Augenblick an, als ich dich in mir spürte, und als sie dich mir entrissen, starb ein Teil von mir.

Ich habe mein Leben lang nach dir gesucht. Ja, Mathias, ich habe dich geliebt. Ich liebe dich immer noch. Er weinte. Ich auch. Aber Liebe allein reicht nicht immer aus, um Zerbrochenes zu heilen. Mathias hatte eine eigene Familie, eine Frau, zwei Kinder, ein Leben fernab von mir. Ich konnte keinen Platz in seinem Leben fordern. Ich wollte es auch nicht. Ich wollte nur, dass er es wusste.

Wir schrieben uns einige Jahre lang. Dann wurden die Briefe seltener, dann hörte die Musik auf. 2005 erfuhr ich aus einem Nachruf, dass er an Krebs gestorben war. Er war sechzig. Ich war allerdings nicht zur Beerdigung eingeladen. Ich hielt mich im hinteren Teil der Kirche auf, diskret, unauffällig. Ich sah seine Kinder weinen, seine Frau zusammenbrechen, und da verstand ich etwas.

Mein Sohn hatte ein Leben geführt, ein richtiges Leben trotz allem, trotz Funsteiner, trotz des Lagers, trotz mir. Und vielleicht war das genug. Als ich 2010 dieses Interview für das Projekt „Historische Erinnerung“ gab, war ich sechs Jahre alt. Ich war körperlich erschöpft, meine Stimme heiser, aber geistig noch klar. Ich wurde gefragt, ob ich etwas bereue. Ich sagte nein.

Nicht, weil ich nach Mathias suchte, nicht, weil ich an seine Tür klopfte, nicht, weil ich die Wahrheit sagte, denn Schweigen tötet auch, und weil manche Geschichten nicht begraben werden können. Von Steiner wurde nie vor Gericht gestellt. Die in diesem Lager geborenen Kinder wurden nie offiziell registriert. Frauen wie ich erhielten nie Anerkennung, eine Entschuldigung oder eine Entschädigung.

Wir wurden einfach ausgelöscht. Doch solange es jemanden gibt, der unsere Geschichte erzählt, werden wir weiterleben. Ich starb fünf Jahre nach diesem Interview, im Jahr 2015. Ich war 91 Jahre alt. Ich war allein, wie fast mein ganzes Leben lang. Aber meine Worte blieben. Und heute, Jahrzehnte später, hören Tausende von Menschen meine Geschichte.