„Der Schwiegersohn des CEOs hat mich nach 19 Jahren um 9:14 Uhr stillschweigend entlassen. Ich ging mit einem Pappkarton hinaus und lächelte – denn er hatte nie daran gedacht, nach meinem Mädchennamen zu fragen: Clara Tennant… Ich wurde um 9:14 Uhr vom Schwiegersohn des CEOs stillschweigend entlassen.“

Teil 5: Das Hauptbuch ist geschlossen

Am Freitagmorgen hatte sich die Luft im Gebäude verändert. Es roch weniger nach teurem Parfüm und gebleichtem Papier, sondern eher nach frischem Kaffee und altem, zuverlässigem Leder.

Der Vorstand hatte am Mittwochnachmittag eine fünfminütige Dringlichkeitsabstimmung per Zoom abgehalten. Es gab keine Debatte, keine langwierigen Verhandlungen und keine Pressemitteilung des Unternehmens über die „Verfolgung anderer Möglichkeiten“. Martin Vales Name war so sauber aus dem Active Directory entfernt worden, als hätte er nie existiert – lediglich ein kurzer, bedauerlicher Softwarefehler in einem ansonsten stabilen Betriebssystem.

Mein neues Büro war im Grunde dasselbe Eckzimmer, das ich schon seit zehn Jahren bewohnte, allerdings hatte jemand vom Facility Management stillschweigend den alten ergonomischen Stuhl gegen einen hochlehnigen Lederstuhl ausgetauscht, der nicht quietschte, wenn ich mich zurücklehnte.

Punkt 9:14 Uhr vibrierte mein Handy auf dem Mahagoni-Schreibtisch.

Es war Nina, ihre Stimme war hell und ruhig. „Clara? Die Wirtschaftsprüfer aus Zürich sind in der zweiten Leitung. Sie prüfen die revidierten Prognosen für das dritte Quartal. Sie wollen wissen, wer die Umstrukturierung der regionalen Frachtverträge genehmigt hat.“

Ich blickte auf das offene Kassenbuch vor mir und fuhr die klaren, schwarzen Tintenlinien nach, die mein Großvater 1984 von Hand gezeichnet hatte.

„Sagen Sie ihnen“, sagte ich und lehnte mich zurück, als die Morgensonne den silbernen Stift neben meiner Tastatur zum Leuchten brachte, „dass die Kontrollen ausgeglichen sind, die Konten gesperrt sind und der Mieter im Eckbüro nirgendwo hingeht.“

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