Die Stimme meiner Mutter war kalt, pragmatisch. Als würden sie über den Getreidepreis streiten.
Meine Schwester Catalina grinste verschmitzt über ihren Teller hinweg. „Endlich bist du zu etwas nütze, Schwesterchen. Einem wilden Einsiedler ist es egal, dass du innerlich trocken bist.“
Die Tränen brannten in meinen Augen, aber ich weigerte mich, sie fließen zu lassen. Ich wollte ihnen diese Genugtuung nicht gönnen.
„Sie verkaufen mich“, flüsterte ich. Meine Stimme klang fremd, distanziert.
„Und was hast du erwartet?“, fuhr mich meine Mutter an. „Wir haben dich ernährt. Du bist kein Kind mehr und wirst uns keine Enkelkinder schenken, die den Familiennamen weiterführen. So nimmst du uns wenigstens eine Last von den Schultern und löse unsere Probleme.“
Das Wort „Last“ traf mich wie ein Hammerschlag. So sahen sie mich. Nicht als Isabela, ihre Tochter, ihre Schwester. Sondern als fehlerhaftes Objekt, das sie gegen Schuldenerlass und ein paar Ziegen eintauschen konnten.
Am nächsten Morgen gab es keine Abschiedsworte. Nur ein kleines Bündel. Der Bergbewohner war pünktlich angekommen. Er war groß, wortkarg und hatte die traurigsten Augen, die ich je gesehen hatte. Er führte mich den Bergpfad entlang, weit weg von allem, was ich kannte.
Er versuchte lediglich, die Stille in seiner leeren Hütte zu durchbrechen. Ich war für ihn nur eine Last, die seine Familie aussortiert hatte.
Keiner von uns ahnte, dass in der Einsamkeit der Berge, wo die Luft reiner ist, das Leben, das alle schon aufgegeben hatten, im Begriff war, zu erblühen…