Mein Stiefvater zog fünf Kinder groß, die nicht seine eigenen waren. Nach seiner Beerdigung erhielt jeder von uns einen Brief, der eigentlich nicht für die anderen bestimmt war.

Er hatte keine Zeit, es zu sagen.

Noah saß auf dem nassen Bürgersteig. Mara flüsterte: „Oh, Thomas.“ Michael starrte mit der Hand vor dem Mund in den grauen Himmel.

Und das Einzige, woran ich denken konnte, war, dass mein Stiefvater jahrelang das Licht auf der Veranda für ein kleines Mädchen angelassen hatte, das glaubte, er hätte ihre Mutter betrogen, während er die Wahrheit nur deshalb gesagt hatte, weil er im denkbar ungünstigsten Moment den Mut verloren hatte.

„Komm mit uns“, sagte ich zu Susan.

Er schüttelte den Kopf.

Dann sagte Noah etwas, das sie wieder zur Besinnung brachte: „Thomas wäre sehr wütend, wenn wir uns nach all dem auf einem Parkplatz zurücklassen würden.“

Susan ließ zwischen ihren Tränen ein leises Lachen entweichen. Dann nickte sie.

‘Bring mich nach Hause’, flüsterte sie.

Es verlor seinen Wert im denkbar ungünstigsten Moment.

***

An diesem Abend kehrten wir fünf zu Thomas’ Haus zurück.

Das Licht auf der Veranda brannte noch.

Susan blieb einen Moment auf der untersten Stufe stehen und starrte auf das Licht über der Tür, als ob Thomas jeden Augenblick die Tür öffnen und sagen könnte: „Endlich. Ich habe Suppe gekocht, Schatz.“

Niemand bedrängte sie. Thomas hatte uns gut genug erzogen, um zu wissen, dass gewisse Stille Raum braucht.

Drinnen duftete es nach Kaffee, Zedernholz und den Zimt-Minz-Bonbons, die er in jeder Manteltasche aufbewahrte. Michael ging wie im Trance in die Küche, denn Trauer treibt die Menschen zur Arbeit. Mara fand ein paar Fotoalben. Noah stand mitten im Wohnzimmer und weinte leise, wie Männer es oft tun, wenn sie Kinder zu Hause zu versorgen haben und ihre Gefühle nur allzu gut unterdrücken können.

Das Licht auf der Veranda brannte noch.

Susan saß mit dem Medaillon in beiden Händen auf dem Sofa.

„Ich habe es lange Zeit gehasst“, sagte sie.

„Du warst achtzehn und wurdest verletzt“, erwiderte ich.

Dennoch bin ich gegangen.

Ja, das hast du getan.

Glaubst du, er wird mir verzeihen?

—Ja, das habe ich ihm gesagt.— Ich glaube, er hat es schon getan.

Michael kam mit Bechern herein. „Bitte schön. Thomas hätte dir den Bankraub verziehen, wenn du auch nur die geringste Reue gezeigt hättest.“

Das sorgte für Gelächter.

Ich habe ihn lange Zeit gehasst.

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