„Erzähl mir“, antwortete Charles mit einem wehmütigen Lächeln.

An jenem Abend, als ich nach Hause kam, packte ich fast meine ganzen Sachen und ging. Charles blieb in unserem nun leeren Haus zurück. Später erfuhr ich, dass er völlig verzweifelt war, nicht wegen dem, was ich gesagt hatte, sondern weil er nicht wirklich verstand, was zwischen uns schiefgelaufen war.
Keiner von uns schlief in jener Nacht viel. Kurz vor Sonnenaufgang gab Charles den Schlaf auf und beschloss, mir einen Brief zu schreiben: ein letzter Versuch, mich zu erreichen, mir seine Gefühle verständlich zu machen. Er legte all seine Emotionen in diesen Brief und weinte beim Schreiben.
Als der Morgen anbrach, merkte er, dass er nicht wusste, wo ich war, und konnte den Brief deshalb nicht abschicken. Stattdessen ließ er ihn auf dem Kaminsims liegen. Dann bemerkte er, dass ich meine täglichen Tabletten vergessen hatte, die Medikamente, die ich für meine Krankheit brauchte.
Besorgt griff er zum Telefon und versuchte, mich anzurufen. Doch ich ignorierte seine Anrufe, überzeugt davon, dass er mir nur Schuldgefühle einreden wollte, um mich zurückzulocken.
Er erkennt mich nach all den Jahren gar nicht mehr, dachte ich bitter, als das Telefon erneut klingelte. Jahrzehntelang haben wir zusammen verbracht, Kinder großgezogen, und doch hat er immer versucht, mich zu kontrollieren. Ich habe genug. Jetzt kann ich endlich mein Leben leben, so wie ich es will, in Freiheit.
Unterdessen wurde Charles immer unruhiger, als ich nicht reagierte. Die Angst um mich, gepaart mit den Schmerzen, wurde für sein ohnehin schon geschwächtes Herz unerträglich. Die Schmerzen in der Brust verstärkten sich, bis ihm klar wurde, dass er einen Herzinfarkt hatte.
Bevor er zusammenbrach, gelang es ihm noch, einen Krankenwagen zu rufen.
Als die Polizei Frank kontaktierte, rief er mich sofort an.
„Rose“, sagte sie eindringlich, „Charles wurde ins Krankenhaus gebracht. Sein Zustand ist ernst.“
Mein Herz blieb stehen. Mein Charles … hilflos im Krankenhaus? Der Gedanke, ihn zu verlieren, erfüllte mich mit Angst. In diesem Moment verflog all mein Zorn und wurde von der überwältigenden Erkenntnis abgelöst, dass ich ihn immer noch von ganzem Herzen liebte.

Ich eilte nach Hause, um ein paar Dinge zu holen, die er vielleicht brauchen könnte. Dann fand ich den Brief. Meine Hände zitterten, als ich ihn öffnete.
„Liebe Rose“, begann er, „zuallererst möchte ich dir sagen, dass ich dich all die Jahre geliebt habe und dich mein Leben lang lieben werde. Ich weiß nicht, warum du dein Herz vor mir verschlossen hast, aber ich wünschte, du würdest es wieder öffnen, denn ich kann mir eine Welt ohne uns nicht vorstellen.“