Als der Junge mit dem Becher Wasser als Dieb beschimpft wurde
„Stell den Becher weg und verschwinde sofort aus meinem Haus.“
Die Stimme des Mannes durchdrang die stickige Luft des Wohnzimmers so scharf, dass Kuba zusammenzuckte. Er war erst zehn Jahre alt, trug ein viel zu großes, dunkelblaues T-Shirt, seine Knie waren vom Radfahren ständig gequetscht, und seine Hände umklammerten das Glas Wasser, das er Frau Helena gerade hatte geben wollen.
Die ältere Dame lag in einem Sessel am Fenster, eingehüllt in eine marineblau-weiß gemusterte Decke. Ihr Atem ging schwer, mit jenem leisen Pfeifen, das Kuba in den letzten drei Jahren so gut kannte. Er wusste nun, wann er das Kissen zurechtrücken, das Fenster einen Spalt öffnen, seine Mutter rufen und wann er einfach nur Frau Helenas Hand halten musste, bis sie ihre Angst überwand.
Doch heute stand ein fremder Mann im Haus von Frau Helena.
Großgewachsen, in einem teuren Mantel, wirkte sein Gesicht nicht von Besorgnis, sondern von Wut angespannt. Neben ihm stand eine Frau in einem roten Schal, die sich im Raum umsah, als zähle sie die Möbelstücke.
„Ist das der Junge?“, fragte sie und rümpfte die Nase. „Der, der früher immer hierher kam?“
Kuba sah Frau Helena an. Ihre Augen waren müde, aber sie öffneten sich weiter.
„Schrei ihn nicht an, Roman…“, flüsterte sie.
Der Mann, ihr Sohn, beachtete sie nicht einmal.
„Mama, halt den Mund. Der Arzt hat gesagt, du seist leicht beeinflussbar. Und ich lasse kein fremdes Kind in deinem Haus herumstöbern.“
Kuba spürte, wie ihm die Wangen heiß wurden.