TEIL 1: DAS PORTRÄT AUF SEINEM ARM
Zwei Tage nach seinem achtzehnten Geburtstag betrat mein Sohn die Küche mit jenem stolzen Lächeln, das er sich normalerweise nur für schreckliche Entscheidungen aufsparte.
„Hey Mama. Rate mal?“
Ich schnitt gerade Gemüse fürs Abendessen. Als ich seinen Gesichtsausdruck sah, legte ich das Messer auf die Arbeitsplatte.
“Was haben Sie getan?”
Dustin lachte und krempelte seinen Ärmel hoch.
Zuerst dachte ich, er wolle mir einen blauen Fleck zeigen. Dann sah ich ein Frauengesicht, das mich von seinem Oberarm aus anstarrte.
Es war Barbra, seine Stiefmutter.
Das Tattoo hielt alles in schockierenden Details fest: ihre Augen, ihr Lächeln, sogar das kleine Muttermal in der Nähe ihres Mundes.
Ich hielt mich am Küchentresen fest.
Warum ist Barbras Gesicht auf deiner Schulter?
Dustins Lächeln verblasste ein wenig.
Sie gehört zur Familie.
„Ich auch“, erwiderte ich. „Ich sehe mein Porträt nicht auf deinem anderen Arm.“
Er versuchte, seinen Ärmel herunterzuziehen, aber der Stoff verfing sich in der Plastikfolie, die das frische Tattoo schützte.
„Pass auf“, sagte ich automatisch. „Es nervt dich.“
So war das Muttersein. Selbst wenn dein Kind etwas absolut Unglaubliches vollbrachte, bliebst du dennoch besorgt über eine mögliche Infektion.
Ich schaltete den Herd aus und sagte ihm, er solle sich setzen.
Ich hatte nichts gegen Tattoos. Dustin sprach schon seit Jahren davon, sich eins stechen zu lassen, und ich hatte ein Bandlogo, eine Animefigur oder ein Symbol erwartet, das er später bereuen würde.
Von einem realistischen Porträt seiner Stiefmutter war nie die Rede gewesen.
„War das Ihre Idee?“, fragte ich.
“Ja.”