Ich bin in einem Waisenhaus aufgewachsen und wurde im Alter von acht Jahren von meiner kleinen Schwester getrennt. Dreißig Jahre lang fragte ich mich, ob sie noch lebte – bis eine routinemäßige Geschäftsreise und ein zufälliger Supermarktbesuch alles veränderten.
Mein Name ist Elena. Als ich acht Jahre alt war, versprach ich meiner kleinen Schwester, dass ich sie finden würde.
Dann verbrachte ich zweiunddreißig Jahre damit, zu scheitern.
Mia und ich wuchsen in einem Waisenhaus auf. Wir hatten keine Eltern, keine Fotos, keine tröstliche Geschichte von jemandem, der uns abholen würde. Nur zwei schmale Betten in einem überfüllten Zimmer und eine dünne Akte mit kaum Informationen. So wurden wir einander zur einzigen Welt.
Sie folgte mir auf Schritt und Tritt – klammerte sich in Fluren an meine Hand und geriet in Panik, wenn sie aufwachte und mich nicht sehen konnte. Ich lernte, ihr mit den Fingern die Haare zu flechten. Ich lernte, wie ich heimlich Brötchen naschen konnte, ohne erwischt zu werden. Ich lernte, dass Erwachsene uns beide besser behandelten, wenn ich höflich lächelte und Fragen richtig beantwortete.
Wir hatten keine großen Träume. Wir träumten nur davon, gemeinsam wegzugehen.
Eines Tages kam dann ein Paar zu Besuch.
Sie gingen lächelnd und nickend mit dem Leiter durch das Waisenhaus – genau die Art von Menschen, die man aus Adoptionsbroschüren kennt. Sie beobachteten spielende Kinder. Sie sahen mir zu, wie ich Mia in der Ecke vorlas.